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wie sieht die perfekte Urlaubslektüre aus? Natürlich könnte jedes Buch mit in die Ferien genommen und am Strand, am Pool oder auf dem Balkon verschlungen werden.Trotzdem bringen die Verlage jedes Jahr eigene Sommerbücher auf den Markt und die mit Flip-Flops, Muscheln und Sonnenhüten dekorierten Buchhandlungstische. Auch jedes erdenkliche Medium und alle lesebegeisterten Menschen auf Social-Media teilen eigene Listen mit DEN Titeln für die heißen, freien Tage des Jahres. Also versuche auch ich mich daran, euch die Entscheidung, was mit in den Koffer wandern darf, etwas zu erleichtern. Ich will gar nicht so weit gehen und behaupten, es seien DIE BESTEN SOMMERBÜCHER. Es sind meine persönlichen Empfehlungen für die Urlaubszeit und ich freue mich, wenn ihr mir auch zurückschreibt, was ihr dieses Jahr im Sommer lesen wollt!
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MARLOWE GRANADOS - HAPPY HOUR
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Ein recht offensichtliches Kriterium für ein Sommerbuch: Die Handlung spielt in den heißesten Monaten des Jahres. "Happy Hour" von Marlowe Granados, aus dem Englischen übersetzt von Stefanie Ochel, begleitet Isa und ihre Freundin Gala in genau dieser Zeit durch ein schwüles, aufregendes, aber unberechenbares New York City. Die beiden müssen sich ohne Geld und Arbeitsvisum, dafür mit (dubiosen) Nebenjobs und viel Charme und Stil durchschlagen. Sie schaffen es, immer wieder gerade so ihre Rechnungen zu bezahlen bzw. bezahlt zu bekommen. Autonomie und Abhängigkeit verschwimmen dabei genauso oft wie Selbstermächtigung und Selbstausbeutung. "Auch wenn wir so rüberkommen – ich könnte nicht sagen, wann wir das letzte Mal wirklich sorglos waren. Waren wir es überhaupt jemals? Ein seltsamer, angreifbarer Zustand, dem wir da hinterhertragen." Der Roman zeigt, wie fragil eine Auszeit sein kann – der bittere Tropfen Realität im süffigen Urlaubs-Cocktail.
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CELINE EDINGER - DIE AUSTERNFISCHERIN
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Das Debüt "Die Austernfischerin" der Münchner Autorin, Redakteurin und Kuratorin Celine Edinger ist gerade erst bei Kein & Aber erschienen und war letzte Woche eine meiner Strandlektüren im Italienurlaub. Es eignet sich gut, um es mit Sand zwischen den Seiten zu lesen, denn auch die Ich-Erzählerin Lydia reist ans Meer. Mit ihrem Freund Hendrick fährt sie zu dessen Mutter nach Dänemark. Im bescheidenen Heim der "Austernfischerin" angekommen nimmt Lydia jedes kleinste Detail auf sinnliche Weise auf, ist fasziniert von der in sich gekehrten, schüchternen Frau. Sie hilft beim körperlich anstrengenden Sammeln von Austern und kommt der alten Frau dabei näher, näher als es ihr Sohn Hendrick jemals geschafft hat. "Die Austernfischerin" ist eine literarischere Version einer Slowburn-Romance. Zwar bleibt die Sprache grundsätzlich eher eindimensional und nah an New-Adult-Literatur. Doch Edinger gelingt es durch die Schlichtheit der Geschichte, den Blick auf das Wesentliche und wirklich Wichtige (in Liebesbeziehungen) zu lenken.
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MAUREEN DUFFY - KIND DER LIEBE
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Auch wenn das Cover von "Kind der Liebe" an viele aktuelle Sommerbücher erinnert, stammt der Roman von Maureen Duffy eigentlich aus dem Jahr 1971. Der neue Look kommt daher, dass Reclam erst letztes Jahr die erste deutsche Ausgabe in der Übersetzung von Katharina Herzberger herausgebracht hat. Und ich bin froh über diese Wiederentdeckung, denn ich liebe unzuverlässige Erzähler:innen mit dem Hang zum Dramatischen und Überheblichen. Hauptfigur Kit ist als Diplomatenkind gebildet, belesen, ein bisschen altklug und manipulativ. Die Figur hat kein klar zugeschriebenes Geschlecht und bezieht sich in ihren Gedanken immer wieder auf die Literaturgeschichte, besonders die griechische Mythologie. Im Nachwort bemerkt Autorin Miku Sophie Kühmel zurecht: "Wohin sonst sollte sich ein queerer Teenager auch flüchten als in die Antike, die vor Queerness nur so wimmelt?". In dem fiktiven italienischen Fischerort, in dem Kit den Sommer mit den Eltern verbringt, herrscht auch die Art von flimmernder, aufgeladener Hitze voll sexueller Spannung und innerfamiliärer Intrigen, die quasi nur in eine (griechische) Tragödie umschlagen kann. Ein wiederentdeckter queerer Klassiker.
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Apropos griechische Mythologie: Diesen Sommer kommt man wegen des Christopher-Nolan-Blockbusters ja schwer am Odyssee-Stoff vorbei. Wer sich in Homers Gesänge reinhören will, kann das übrigens gerade bei ARD-Sounds tun: Dort gibt es "Die Odyssee", erzählt von Meike Rötzer. Wen eine Seefahrt ins Ungewisse als Thema auch sonst fasziniert, könnte sich für die englische Novelle "Astraea" begeistern. Die 15-jährige Ich-Erzählerin ist Teil einer Gruppe verurteilter Frauen auf einem Schiff, das sich auf dem Weg von England in eine den Frauen unbekannte Kolonie und Zukunft befindet. Autorin Kate Kruimink dienten historische Dokumente als Grundlage für ihre atmosphärische und bewegende Erzählung, die mich an "Ich, die ich Männer nicht kannte" von Jacqueline Harpman erinnert hat. Die Australierin gewann damit 2024 den Weatherglass Novella Prize. Völlig berechtigt.
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LEONID ZYPKIN - EIN SOMMER IN BADEN-BADEN
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Eine Art Odyssee steckt auch in Leonid Zypkins "Ein Sommer in Baden-Baden". Anders als der Titel vermuten lässt, beginnt der Roman im Winter. Das sollte euch jedoch nicht daran hindern, dieses Buch mit in die Ferien zu nehmen. Ein russischer Autor ist auf dem Weg nach Leningrad. Er begibt sich auf die Spuren des großen russischen Mega-Klassikers Fjodor Dostojewski und liest im Zug das Tagebuch von Dostojewskis Ehefrau Anna Grigorjewna. Fasziniert von den Einträgen fühlt er sich tiefer und tiefer in die Gedankenwelt des Ehepaars ein, reist sozusagen mit ihnen nach Baden-Baden, in die Schweiz und nach Paris und springt dabei immer wieder zurück in seine eigene Realität, die stalinistische Sowjetunion der vierziger Jahre. Auch Susan Sontag war begeistert von Zypkins assoziativer, autofiktionaler Erzählweise. In ihrem Vorwort zum Roman zählt sie "Ein Sommer in Baden-Baden" zu den "schönsten, anregendsten und originellsten Werke des vergangenen Jahrhunderts".
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KURT TUCHOLSKY - SCHLOß GRIPSHOLM
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Als weiteren Klassiker habe ich mir diesen Sommer "Schloss Gripsholm" von Kurt Tucholsky vorgenommen. Über das Projekt Gutenberg könnt ihr das ePub sogar kostenlos herunterladen. Die Freunde/Liebenden Peter und Lydia, die im Roman auch "die Prinzessin" genannt wird, mieten sich auf Schloss Gripsholm in Schweden ein, um auf Wiesen zu liegen und die Seele baumeln zu lassen. Die Lektüre macht sehr viel Spaß, denn Tucholskys "Sommerroman" von 1931 ist voller Humor, Sarkasmus, leicht und trotzdem schwingt auch die für den Autor typische, scharfsinnige Zeitkritik mit. Schon der Beginn, ein fiktiver Briefwechsel zwischen Tucholsky und seinem Verleger Ernst Rowohlt: hilarious.
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Damit schöne Sommerzeit euch allen und bis bald!
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