Liebe Podcast-Fans,
Zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen DDR-Geschichte und aktuellem Blick auf Sachsen-Anhalt – genau "dazwischen" bewegt sich diese Newsletter-Ausgabe. Zwei der Podcasts führen in die historische DDR: einmal über persönliche Erinnerungen an Diktatur und Flucht, einmal über das kaum bekannte System der Kinderkuren. Dazwischen liegt Sachsen-Anhalt als Schwerpunkt: ein Bundesland im Spannungsfeld von Strukturwandel und erstarkendem Rechtsextremismus, das womöglich im September den ersten AfD-Ministerpräsidenten stellen könnte. Meine vier Hörempfehlungen haben eines gemeinsam: Sie hören erstmal zu – den Menschen in Sachsen-Anhalt und den Zeitzeugen der DDR. Und vielleicht erwachsen aus diesem Zuhören neue Perspektiven und Ideen, wie wir unsere Demokratie schützen können.
Ein gutes Hörerlebnis wünscht
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ist Podcast-Autorin von Geschichts- und Storytellingformaten. Sie liebt tiefgründige Recherchen ebenso wie innovative Erzählweisen. Dafür findet sie Inspiration in allen Genres - von Kinderhörspiel über Interviews bis Reportageserien. Hauptsache gut erzählt.
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Zeitkapsel
Im Gespräch mit Zeitzeugen
Eva (16) und Josef (17) kommen aus Niedersachsen. Dass Berlin 28 Jahre lang von einer Mauer in Ost und West geteilt war, haben sie bei Besuchen in der Hauptstadt zwar gesehen, doch viel mehr wissen sie nicht über diesen Teil der deutschen Geschichte. In der Schule spielt er – leider – kaum eine Rolle.
Im Podcast "Zeitkapsel" treffen die beiden auf Achim Neumann. Er ist 86 Jahre alt, hat als Kind Krieg und Luftangriffe erlebt, später die Gründung der DDR und den Mauerbau. Er erzählt, wie es war, in der SED-Diktatur zu leben – und wie die Verhaftung eines Freundes dazu führte, dass er aus der DDR floh. Damals war er nicht viel älter als Eva und Josef heute.
"Zeitkapsel" ist ein Oral-History-Podcast mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, solange wir sie noch direkt befragen können. Host Wiebke Keuneke führt durch die Folgen und liefert ergänzende Informationen mit Archivmaterial. Der Podcast richtet sich an Schülerinnen und Schüler – und an alle, die ihr Wissen über diesen Teil der Geschichte auffrischen wollen. Ich höre Achim auch sehr gern zu. Drei Folgen sind schon online.
Länge: 8 Folgen à 35 Min.
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DAZWISCHEN
Wie geht es Sachsen-Anhalt?
Die Antwort darauf ist nicht einfach. Deshalb gibt es diesen Podcast von DETEKTOR.FM, der seit mittlerweile 15 Folgen jede Woche das Bundesland und seine Themen umfassend betrachtet – und sich Zeit dafür nimmt. Die beiden Moderatorinnen Marie Landes und Katja Schmidt sind dafür in den Regionen unterwegs, um mit den Menschen vor Ort zu sprechen, zum Beispiel in Thalwinkel im Burgenlandkreis. Der Ort ist – wie übrigens 95 Prozent der Gemeinden in Sachsen-Anhalt – von „Schrumpfung“ betroffen, sprich: Dorfsterben.
Natürlich geht es auch immer wieder um die hohen Umfragewerte der AfD und darum, was es konkret bedeuten würde, wenn die Partei die Landtagswahl gewinnt: für Wissenschaftsfreiheit, für Wirtschaft oder für Bildung. Der Podcast beschönigt nichts und benennt die Probleme des Landes klar. Denn auch die Antwort auf die Frage, warum 40 Prozent der AfD ihre Stimme geben würden, ist keine einfache.
Dem Podcast-Projekt gelingt es, ein differenziertes Bild von Sachsen-Anhalt zu zeichnen – jenseits punktueller Wahlberichterstattung. Ich mag besonders die vielen beeindruckenden Beispiele für eine engagierte Zivilgesellschaft: vom Reparaturcafé über den Dorfladen bis zu Demokratieprojekten wie Kinderbürgermeister in Spora. Verlinken möchte ich die Folge zum Thema "Wie lernen und lehren wir eigentlich Demokratie?". Sie ist universell und betrifft uns alle. Vielleicht haben Sie danach Lust, auch die anderen Folgen zu hören – ich empfehle es sehr.
Länge: 37 Min.
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11KM
Wer ist Ulrich Siegmund?
Wir bleiben noch in Sachsen-Anhalt und schauen auf den Mann, der der erste AfD-Ministerpräsident werden möchte: Ulrich Siegmund. NDR-Reporter Robert Bongen beobachtet dessen Wahlkampf und hat Siegmund auf mehreren Bürgerveranstaltungen erlebt. Er berichtet, wie bürgernah und zugänglich sich der Spitzenkandidat der in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestuften AfD gibt – und wie erfolgreich er sich auf TikTok inszeniert.
Das Interessante daran: Bongen erkennt in Siegmunds Auftreten eine Abkehr von den Schimpftiraden und Hassparolen, die sonst den Wahlkampf der Partei prägen. Ist gerade diese Strategie der Schlüssel zu seinen hohen Umfragewerten? Was sind Siegmunds Ziele und Wahlversprechen? Das nimmt diese 11KM-Folge unter die Lupe.
Länge: 28 Min.
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RadioWissen
Verschickte Kinder in BRD und DDR
Zum Abschluss noch ein weiteres Geschichtsthema aus der Zeit, als Deutschland geteilt war: Von 1945 bis 1989 wurden in der BRD etwa elf Millionen Kinder „verschickt“ – von Nord nach Süd, von Süd nach Nord, für mehrere Wochen ohne Eltern. Sie sollten sich erholen, zunehmen oder abnehmen. Viele dieser sogenannten Verschickungskinder haben diese Zeit als traumatisch erlebt, besonders dann, wenn sie noch sehr jung waren.
Auch in der DDR wurden im gleichen Zeitraum über zwei Millionen Kinder verschickt – dort hieß das System „Kinderkurwesen“. Die Erfahrungen der DDR-Kurkinder ähneln denen der BRD: Sie berichten von Essens- und Toilettenzwang, Lieblosigkeit, Drill und starkem Heimweh. Der Unterschied: Die Kinderkuren der DDR waren staatlich organisiert und zentralisiert, es ging auch um die Kollektiverziehung zu „sozialistischen Persönlichkeiten“.
Während die Geschichte der Verschickungsheime der BRD in den letzten Jahren durch ehemalige Träger, Krankenkassen und Rentenversicherung gut aufgearbeitet wurde, sind DDR-Kurkinder bislang weitgehend auf sich allein gestellt. Ich habe zu diesem Thema einen Zweiteiler für „Radiowissen“ recherchiert und geschrieben und freue mich, wenn Sie reinhören. Schreiben Sie mir gern Ihr Feedback.
Länge: 2 Folgen à 25 Min.
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