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vom 23. Mai 2026 für die 22. Woche
Das Quiz     Andere Zeiten erleben  •  Eine Frage, Herr Magaard  ...  •  Leserbild   Der andere Ort  •  Witz der Woche  •  Rückspiegel
Liebe Leserin, lieber Leser,

meine Kollegin Ulrike Berg meint gelegentlich äußern zu müssen, dass manche meiner Sätze – natürlich nicht alle! – zu lang und zu verschachtelt seien und grammatikalisch nicht immer optimal ihr Ziel träfen, was ich aber stets stumm für mich mit dem Argument zu rechtfertigen versuche, dass das Leben ja auch komplex sei, also eher verschachtelt und gelegentlich suboptimal verlaufe, und deshalb auch eine etwas umständliche Ausdrucksweise manchmal angemessen sein kann. 

Aber meine Kollegin hat natürlich recht: Wer verstanden werden will, muss das eigene Anliegen klar formulieren können. Das erfordert mindestens: Wachheit. Die kann man nicht immer voraussetzen … 
Da klopft es zum Beispiel an der Hoteltür. Zwei Mal. Ich schrecke aus einem traumlosen »Power Nap« auf, früher hätte man es Mittagsschlaf genannt. Wahrscheinlich steht der Zimmerservice vor der Tür. Das Klopfen stumm zu ignorieren ist also keine Option und für das »Bitte nicht stören«-Schild ist es zu spät. »Moment!« − so viel Artikulationsfähigkeit ist schon drin.

Der freundliche junge Mann, dem ich dann öffne, wird tatsächlich von einem Handwagen mit Putzmitteln begleitet. Wahrscheinlich sehe ich noch nicht so richtig aufnahmefähig aus, jedenfalls zögert er mit seiner Frage. Nach einer gefühlten Ewigkeit stellt er sie dann doch: »Soll ich das Zimmer aufräumen?« Ich möchte jetzt gern differenziert und wertschätzend antworten können, also etwa so: »Das ist sehr nett, dass Sie nachfragen, aber im Moment passt es gerade nicht. Später aber gern, wenn es ihre Planung erlaubt.« Tatsächlich nuschle ich irgendwas von »Glaube nicht«, was mindestens uneindeutig ist und für mich hochkomplexe Anschlussfragen des Zimmerservice provoziert: »Etwas für die Minibar? Mineralwasser? Kaffee?« Da der freundliche junge Mann auch nach meiner nächsten Reaktion (»Äh...nein...glaub nicht, hab noch…später«) nicht weiß, was er mit mir anfangen soll, versuche ich es auch mit einem Lächeln. Und schließe die Tür.

Das ist natürlich ein einigermaßen triviales Beispiel für die eigentlich banale Erkenntnis, dass es sich im wachen Zustand besser kommunizieren lässt und eher Verständigung möglich ist. Aber ich habe inzwischen den Eindruck, dass das gar nicht so selbstverständlich ist mit der wachen Kommunikation. Und dies nicht nur bei einem unterbrochenen Mittagsschlaf. Könnte es sein, dass viele unserer gesellschaftlichen Probleme auch durch fehlende Wachheit verstärkt werden? Dass wir zwar viel kommunizieren, »Content« produzieren, aber müde und träge Herzen haben? Dass wir guten Willens sind, aber zu erschöpft, um uns aufeinander einzulassen?

Sie ahnen, warum es mir heute um Verständigung geht: Es ist Pfingsten. Das ist weit mehr als ein großes Fest menschlicher Verständigung. Es ist die Erinnerung an das Geschenk des Heiligen Geistes, einem Geist »der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.« (2.Timotheus 1,7) Da schwingt die Wachheit ganz schön mit.

Und: Wer voller Kraft, Liebe und Besonnenheit kommuniziert, muss keine langen, verschachtelten Sätze mehr machen – versucht es aber vielleicht trotzdem ab und zu.
Ich wünsche Ihnen frohe Pfingsten!

Ihr
Axel Reimann                                          
Redakteur 
Andere Zeiten e.V.



DAS QUIZ

Die Pfingstgeschichte erzählt vom »Sprachenwunder«: Alle Menschen, die vom Geist Gottes erfüllt waren, verstanden sich. Wie viele bekannte Sprachen gibt es heute auf der Welt?
A. Ungefähr 7000
B.
Etwa 200
C.
847

(Für die Auflösung ganz nach unten scrollen)
LESERBILD DER WOCHE

»Frische Luft und spiegelglatte Pfützen«

DANK AN MICHAEL BONERT
IM GESPRÄCH 

Eine Frage, Herr Magaard ...
»Geh aus, mein Herz und suche Freud«: Mit diesem und vielen anderen Liedtexten ist Paul Gerhardt (1607-1676) bis heute bekannt. Der Theologe gilt als ökumenischer »Popstar« unter den Dichtern des Barock, seine Lieder finden sich nicht nur im evangelischen Gesangbuch, sondern auch im katholischen Gotteslob. Anlässlich seines 350. Todestags an diesem Mittwoch hat die Nordkirche das Büchlein »Mit dir will ich endlich schweben« herausgegeben. Zwölf Autor:innen haben sich darin von Gerhardts Versen und von Arbeiten aus der Grafiksammlung der Landeskirche zu neuen Texten inspirieren lassen. Pastor Friedemann Magaard aus Husum ist einer von ihnen. 

Herr Magaard, was bedeutet Ihnen Paul Gerhardt?


Paul Gerhardt ist ein Meister darin, Worte für persönliches Leid zu finden und trotzdem in der Freude anzukommen. Das macht seine Texte bis heute glaubwürdig: Obwohl sie über 350 Jahre alt sind, sprechen sie mir direkt ins Herz.


Gibt es bestimmte Lieder, die eine Rolle in Ihrem Leben spielen oder gespielt haben?

Ja, der Choral »Lobet den Herren, alle die ihn ehren« hat mich sehr geprägt. Darin wird eine Feuersbrunst beschrieben. Ich habe selbst einmal einen großen Brand erlebt und die Rettung aus den Flammen begleitet. Wenn ich das Lied höre, stehe ich sofort mit beiden Beinen in dieser Situation. Ich liebe auch die Geleitworte darin, sie sind ein Segenszuspruch für mich, zum Beispiel dieser hier: »Gib, dass wir heute, Herr, durch dein Geleite auf unsern Wegen unverhindert gehen.«

Zwölf Autor:innen haben neue Texte zu dem Büchlein beigetragen und sich dabei auch von Grafiken inspirieren lassen. Wie ist es dazu gekommen?


Die Autor:innen konnten sich aus einem riesigen Schatz von Paul Gerhardt-Texten sowie aus einem Pool von künstlerischen Arbeiten etwas aussuchen, das sie angesprochen hat, und haben dann selbst geschrieben. Das Ziel war, dass diese »Spiegelungen« die mehr als 350 Jahre alten Texte neu zum Leuchten bringen und sie für Leserinnen und Leser eine andere Art von Tiefenschärfe erhalten.


Paul Gerhardt war unmittelbar vom Dreißigjährigen Krieg betroffen, er war zwölf Jahre alt, als sein Vater starb, zwei Jahre später verlor er seine Mutter. Wie aktuell sind seine Texte heute, in unserer durch viele Bedrohungen gefährdeten Zeit?


Seine Texte sind sehr glaubhaft. Sie sprechen vom Leid nicht akademisch, sondern man spürt die persönliche Betroffenheit des Autors. Aber sie bleiben nicht dabei stehen, sondern sie vermitteln, wie aus tiefer Not Freude, Trost und Hoffnung erwachsen können. 
DER ANDERE ORT

BRUDER WIND UND DIE LUFT

VON KORDULA HOFFMEISTER

Die Stele befindet sich am Heiligenhäuschen an der Straße Zum Wasserberg in Salzkotten-Niederntudorf im Kreis Paderborn. Sie steht am 54 Kilometer langen Pilgerradweg im Pastoralverbund Salzkotten. Mit elf Stationen ist er ist eine meditative Entdeckungsreise, inspiriert vom Sonnengesang des heiligen Franziskus.

Dieser Platz ist für mich Trost- und Glücksort gleichermaßen. An dieser Stelle schaue ich in die Weite des Almetales − auf meinen Heimatort Niederntudorf. Das Bild sagt mir: Stürmische Zeiten können einiges durcheinanderwirbeln in unserem Leben. Wolken und Wind sind sehr veränderlich, heute so und morgen so. Nichts bleibt, wie es war. Aber in manchen Zeiten fühlen wir uns auch beschwingt und heiter, schweben vor Glück wie eine Ballerina oder fühlen uns leicht wie eine Feder.

Welche Orte erfahren Sie als Glücksorte, Kraftquellen oder  Trostplätze? Welche Orte, an denen sich anderes ereignet, begegnen Ihnen auf Reisen oder im Alltag? Wir möchten in dieser Rubrik gern Ihre Orte veröffentlichen: Schicken Sie uns bitte ein Foto mit genauer Ortsangabe an newsletter@anderezeiten.de und schreiben Sie uns ein paar Zeilen dazu, was diesen Ort für Sie besonders macht.
WITZ DER WOCHE

Welche Sprache spricht man in der Sauna?
Schwizerdütsch.

ANDERE ZEITEN ERLEBEN
Vor einem Jahr ist unsere neue Website an den Start gegangen. Am Mittwoch saßen wir mit dem Team der Agentur Giraffentoast zusammen, die den Relaunch aufgesetzt hat − und die übrigens auch für die Bildgestaltung zum Jubiläum der Hamburger Elbphilharmonie verantwortlich ist. Was können wir an unserer Website noch verbessern? Welche Ideen haben wir, die Ihnen Lust machen, auf der Seite zu stöbern? Die Ergebnisse dieses kreativen Austauschs werden Sie in den nächsten Wochen und Monaten auf anderezeiten.de sehen!

RÜCKSPIEGEL

Iris Macke fragte Sie im letzten Newsletter nach Worten oder Momenten, die Ihnen Mut machen. Von den vielen ermutigenden Zuschriften, die uns erreichten, wollen wir zwei mit Ihnen teilen.

Monika Hetzel-Wegner schrieb uns:

Mein Mann und ich haben 1987 geheiratet. Die damalige Jahreslosung war 2. Timotheus 1,7: »Gott hat uns nicht den Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.« Wir wählten diesen Vers zu unserem Trauspruch.
Nun begleitet uns dieser Spruch seit 39 Jahren, durch Höhen und Tiefen, die das Leben auch für uns bereit hält. Mal ist es die Kraft, mal die Besonnenheit, aber immer die Liebe, die uns trägt.

Für Mia Herber ist es ein Satz, der ihr vor einem Vierteljahrhundert zugesprochen wurde:

Ein kleiner Satz eines Therapeuten, der mich durch meine Brustkrebserkrankung vor 25 Jahren begleitet hat, hilft mir auch heute immer dann, wenn ich verzagt bin, auf die Sprünge: »Es kann ja auch gutgehen.« Und mit dem Krebs ist es bis heute ja auch gutgegangen. Den Mutmach-Satz hat eine Freundin von mir grafisch zu einem Sticker gestaltet. Genau das ist ja auch die Botschaft des Pfingstfestes am kommenden Wochenende: Egal, wie schwierig es wird, es kann ja auch gutgehen.

Sticker: Sabine Meyer
Wir hoffen, unser Newsletter die andere zeit hat Ihnen gefallen. In unserem Quiz ist Antwort A korrekt. Es gibt ungefähr 7000 bekannte Sprachen auf der Welt, aber nur 195 Länder. Die größte Sprachendichte findet sich in Südostasien, etwa in Indonesien oder Neuguinea. So hat zu Beispiel auf manchen kleinen Inseln jedes Dorf seine eigene Sprache. Wer eine Übersicht über diese Vielfalt gewinnen möchte, wird auf der Website Glottolog des Max Planck
Institute for Evolutionary Anthropology in Leipzig fündig.

Falls Sie Ideen, Fotos oder Beiträge für einen der nächsten Newsletter beisteuern möchten, freuen wir uns darüber unter newsletter@anderezeiten.de.
Herzlich 
Ihr 

Andere Zeiten-Team
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Fischers Allee 18, 22763 Hamburg
Telefon: 040 / 47 11 27 27

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montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr, freitags von 9 bis 15 Uhr 

Herausgeber: Andere Zeiten e.V. – Initiativen zum Kirchenjahr 
Vertreten durch den Vorstand: Oliver Spies und Florian Theuerkauff 
Fischers Allee 18, 22763 Hamburg 
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Verantwortlich: Iris Macke