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vom 30. Mai 2026 für die 23. Woche
 Das Quiz     Andere Zeiten erleben  •  Eine Frage, Herr Poschlod... •  Leserinnenbild  •  Lied der Woche    Der andere Ort  
Liebe Leserin, lieber Leser,

was sind die Grundlagen unseres Glaubens und wer ist Jesus für uns? Darüber haben wir uns in der vergangenen Woche in der Redaktion ausgetauscht. Biblische Grundlage war das Markusevangelium. Im 8. Kapitel, Vers 29, fragt Jesus die Jünger: »Für wen haltet ihr mich?« − Er hört zu, bestätigt aber keine der Antworten. Ein Geheimnis bleibt. Im Gespräch stellten wir fest, dass jede und jeder ein anderes Bild von Jesus hat. Für den einen ist er vor allem ein Weisheitslehrer, für die andere Gott. Für mich am ehesten ein Freund.

Wenige Tage später war ich eingeladen, zu einer Einweihungsparty auf dem Land. Der erste Sommernachmittag barfuß im Garten. Wir markierten unsere Gläser mit Klebestreifen, auf die wir unseren Namen schrieben. Später am Abend, auf der Schwelle zur Nacht, bemerkte ich dieses Glas:

Ein Melissenblatt klebte an der Innenseite, auf dem Boden noch ein Rest selbst gemachte rote Limonade. Dass »Jesus« auf dem Kreppband stand, erinnerte mich an die alte Tradition, einen Teller für ihn auf den Tisch zu stellen, als Zeichen seiner Gegenwart und der biblischen Zusage: »Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.« Ich fragte mich aber auch: Welcher Spaßvogel hat sich das ausgedacht und dann noch nicht einmal ausgetrunken?

Inzwischen war Pfingstsonntag. Auf dem Heimweg spielte meine Fantasie mit mir. Was, wenn er wirklich da gewesen wäre? Würdest du ihn als Menschen kennen wollen, mit all seinen Macken? Was würdest du mit seinen unbequemen Ansagen anfangen? Mir wurde auch bewusst, wie selten ich Gottes Stimme höre. Währenddessen glitt ich mit dem Rad durch hohe Wiesen und Blütendüfte, strampelte über sandige Waldwege, die mit zitternden Lichtflecken gesprenkelt waren. Und mit einem Mal spürte ich das Glück, am Leben zu sein, getragen, gehalten, erfüllt von der Gemeinschaft, die ich erlebt hatte, inmitten dieser leuchtenden Sommerschönheit. Und ich sagte zu meiner Fantasie: Vielleicht braucht es gar keine Worte. Manchmal spricht Gott auch in einem Glücksgefühl zu mir.

Wie erleben Sie Gottes Wirken in Ihrem Leben? Schreiben Sie uns, wenn Sie mögen unter newsletter@anderezeiten.de. Im Interview mit dem Podcaster Marcus Poschlod lesen Sie, wie er sich beim Pilgern Gott nahe fühlt.

Ich wünsche Ihnen einen Sonntag, an dem Sie spüren, dass der Himmel offen ist.

Ihre
Sabine Henning                                               
Redakteurin 
Andere Zeiten e.V.



DAS QUIZ

An diesem Donnerstag feiern katholische Christinnen und Christen Fronleichnam. Für was steht das Fest?

A. Es symbolisiert, dass Gott mitten unter uns ist.
B. Es feiert den Sommer, unter anderem mit Teppichen aus Blüten.
C. Es erinnert an das letzte Abendmahl Jesu.

(Für die Auflösung ganz nach unten scrollen)
IM GESPRÄCH 

Eine Frage an Herr Poschlod...
2012 schnürte Marcus Poschlod zum ersten Mal seine Pilgerschuhe – auf dem berühmten Camino Francés nach Santiago de Compostela. Seitdem hat ihn das Pilgern nicht mehr losgelassen. Und so ist der Radiomoderator seit einigen Jahren auch Gastgeber des Podcasts »Der Camino Podcast – Pilgern auf dem Jakobsweg«.

Sie pilgern seit 14 Jahren, warum machen Sie sich immer wieder auf den Weg?

Diese Art des Reisens, der Erfahrung, die man dort macht, hat mich einfach nicht losgelassen. Das liegt vor allem an den Gesprächen und Begegnungen mit den Leuten, die man kennenlernt. Das findest du nur auf dem Jakobsweg. Selbst auf meinem letzten Camino im Winter 2024 habe ich eine gute Freundin kennengelernt und mit ihr über verschiedene Themen nachgedacht, die ich gar nicht auf dem Zettel hatte, in denen ich mich interessanterweise aber heute sehr wiederfinde.

Muss ich zum Pilgern immer in Santiago oder Rom ankommen oder kann ich auch hier, vor meiner Haustür, am Wochenende pilgern?

Jakobswege gibt es überall in Deutschland. Das Netz ist sehr, sehr groß. Sogar einen HSV-Camino in Hamburg gibt es! Der führt einmal durch die Stadt, vorbei an für den Verein bedeutsamen Orten bis zum Stadion. Viele Wege sind ziemlich gut ausgeschildert. Die Via Regia ist da ein gutes Beispiel. Sie beginnt in Görlitz und führt über Leipzig bis nach Vacha in Hessen. Da gibt es diese klassischen Herbergen, wie man sie aus Spanien kennt, und man kann auf Kirchenemporen oder in Gemeinden übernachten. Beliebt sind aber auch die Wege bei München oder von Köln aus Richtung Trier.

Was ist Pilgern für Sie?

Ich verbinde mit Pilgern schon einen gewissen christlichen Aspekt: sich auf Wallfahrt begeben, auf den Weg machen. Ich merke auch, dass ich unterwegs gerne und viel in Kirchen bin, dass ich deutlich mehr im Gebet bin als sonst und inzwischen auch versuche, das vom Weg mit nach Hause zu nehmen. Der Satz »Pilgern ist beten mit den Füßen« drückt das für mich sehr gut aus.

Ist Pilgern eine Lebenseinstellung?

Ich selber nehme das gar nicht mehr so wahr, bekomme es eher gespiegelt von anderen. Ich bin ruhiger und entspannter geworden. Nicht, dass ich vorher mega gestresst war, aber ich kam leiser und stressfreier zurück. In Situationen, wo etwas schiefgeht – ob im Bahnchaos oder sonst irgendwo −, bin ich jetzt in der Regel völlig entspannt. Dieses Gefühl, diese Leichtigkeit, dieses Vertrauen und das Wissen »wird schon« nehme ich auf jeden Fall mit.

Was ist der schönste Moment, den Sie beim Pilgern hatten?

Mein erster Gedanke ist da das »Cruz de Ferro«, das Eisenkreuz auf dem Camino Francés in Spanien. Viele Leute legen da Steine ab, die sie von zuhause mitgebracht und mitgetragen haben. Da hatte ich sehr intensive Momente und spürte tatsächlich eine gewisse Magie, eine besondere, befreiende Energie. Ich habe den Ort erst nach einiger Zeit und vielen Tränen verlassen.

LESERINNENBILD DER WOCHE

»Pfingstrosenfreude«

DANK AN CHRISTINE HAMKER

LIED DER WOCHE

Der Mai geht zu Ende und der Sommer beginnt. Manfred Krugs Lied  Wenn's draußen grün wird feiert den »Wonnemonat« gebührend. Es stammt vom legendären Album »Ein Hauch von Frühling«, das vor mehr als einem halben Jahrhundert erschienen ist.

ANDERE ZEITEN ERLEBEN

Fülle und Wachstum, Licht und Weite: Das verbinden wir mit der Sommerzeit. Und das möchten wir mit Ihnen feiern. Wir laden Sie zu unserem Sommergottesdienst für Mittwoch, den 24. Juni, um 18.30 Uhr in den »Garten am frischen Wasser« am Eutiner See ein. Sarah Seifert (links) und Ulrike Berg haben in dieser Woche schon einmal den Ort begutachtet und geschaut, ob sich alle Ideen dort auch so verwirklichen lassen, wie wir sie geplant haben. Wir freuen uns darauf, uns mit Ihnen auf eine Gedankenreise zu begeben und zu erkunden, wo Gottes Schöpfung für uns zu einem Ort spiritueller Erfahrung wird. Falls es regnet, treffen wir uns in der St.-Michaelis-Kirche in der Schlossstraße 2. Auf unserer Website anderezeiten.de halten wir Sie auf dem Laufenden.
DER ANDERE ORT

BÄRLAUCHPARADIES AM TEGERNSEE 

VON ULI

Folgt man am Tegernseer Bahnhof den Schildern zum »Tegernseer Höhenweg« Richtung Gmund, stößt man im Mai nach einem circa zehnminütigen leichten Anstieg auf ein Meer von blühendem Bärlauch.

»Dieser Ort ist für mich ein Feuerwerk der Sinne. Der weite Blick auf den See und die umliegenden Berge, unten wuselt alles, hier oben himmlische Ruhe, nur das Plätschern eines Baches, dazu strömt dir ein intensiver würziger Geruch entgegen: Bärlauch, so weit das Auge reicht. Ein Loblied auf die Schöpfung!«

Welche Orte erfahren Sie als Glücksorte, Kraftquellen oder  Trostplätze? Welche Orte, an denen sich anderes ereignet, begegnen Ihnen auf Reisen oder im Alltag? Wir möchten in dieser Rubrik gern Ihre Orte veröffentlichen: Schicken Sie uns bitte ein Foto mit genauer Ortsangabe an newsletter@anderezeiten.de und schreiben Sie uns ein paar Zeilen dazu, was diesen Ort für Sie besonders macht.

Wir hoffen, unser Newsletter die andere zeit hat Ihnen gefallen. In unserem Quiz sind die Antworten A und C richtig. Die Brothostie, die bei Prozessionen in einer Monstranz getragen wird, steht dafür, dass der dreieinige Gott − Vater, Sohn und Heiliger Geist − in der Eucharistie mitten unter den Gläubigen ist. Fronleichnam erinnert damit an das letzte Mahl Jesu, dessen Christ:innen an Gründonnerstag gedenken. Weil die Karwoche aber keine größere festliche Begehung ermöglichte, wurde das Fest bei seiner Einführung im 13. Jahrhundert auf den Donnerstag nach Pfingsten gelegt.
 
Falls Sie Ideen, Fotos oder Beiträge für einen der nächsten Newsletter beisteuern möchten, freuen wir uns darüber unter newsletter@anderezeiten.de.
Herzlich 
Ihr 

Andere Zeiten-Team
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Telefon: 040 / 47 11 27 27

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Herausgeber: Andere Zeiten e.V. - Initiativen zum Kirchenjahr 
Vertreten durch den Vorstand: Oliver Spies und Florian Theuerkauff 
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Verantwortlich: Iris Macke