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Liebe Lesende,
Europa steht unter Druck – von mehreren Seiten gleichzeitig. Das Handeln der Vereinigten Staaten bleibt unberechenbar, China verfolgt eine aggressive Industriepolitik mit massiven Marktverzerrungen, und gleichzeitig müssen wir unsere eigene industrielle Basis stärken. Gerade deshalb kommt es jetzt darauf an, Kurs zu halten: offen für Handel, aber nicht naiv, partnerschaftlich, aber mit klaren Regeln.
Ein gutes Beispiel dafür ist Kanada. Aus Handelspartnern müssen Zukunftspartner werden. Mit Ländern, die unsere demokratischen Werte teilen, brauchen wir engere Verbindungen, konkrete Projekte und verlässliche Strukturen. In einer Welt, in der Druck von autoritären Staaten zunimmt und alte Gewissheiten im transatlantischen Verhältnis brüchiger werden, ist das keine Symbolpolitik, sondern handfeste Interessenpolitik.
Auch die Rede zur Lage der Union hat gezeigt: Die Richtung stimmt in Teilen, aber aus Ankündigungen müssen jetzt Ergebnisse werden. Mission impossible ist teilweise erfüllt – aber eben nur teilweise. Europa muss wettbewerbsfähiger, handlungsfähiger und sozial gerechter werden. Das gelingt nur, wenn Industriepolitik, Handelspolitik und soziale Standards zusammengedacht werden.
Dazu gehören neue Abkommen mit verlässlichen Partnern. Das EU-Indien-Abkommen ist auf der Zielgeraden. Eine Handelszone mit zwei Milliarden Menschen wäre geopolitisch und wirtschaftlich ein starkes Signal – wenn Arbeitnehmerrechte, Nachhaltigkeit und faire Wettbewerbsbedingungen klar verankert werden.
Und schließlich müssen wir auch unsere eigenen Instrumente besser nutzen. Öffentliche Vergabe darf nicht länger nur nach dem billigsten Preis funktionieren. Sie muss Innovation, gute Arbeit, Nachhaltigkeit und europäische Wertschöpfung stärken – ohne offene Märkte aufs Spiel zu setzen. Genau diese Balance braucht Europa jetzt.
Herzlichst
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