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Manche Geschichten tragen ein Wissen in sich, das wir tief in uns wiederfinden.

Vor einiger Zeit saß mir eine Frau gegenüber, und während unseres Gesprächs hat sich eine ganz besondere Ruhe im Raum ausgebreitet. Es war einer dieser Momente, in denen alles langsamer wird und die Aufmerksamkeit ganz von selbst nach innen geht.

Sie hat mich angesehen und gefragt, ob es im Menschen einen Ort gibt, der über das hinausgeht, was wir fühlen oder mit dem Verstand erfassen können. Einen Ort, der tiefer liegt und vielleicht mit dem verbunden ist, was viele als Seele bezeichnen.

In diesem Moment ist mir eine Geschichte in Erinnerung gekommen, die mich schon lange begleitet.

In den 1920er-Jahren gab es einen Arzt, der einen ungewöhnlichen Weg gewählt hat. Er hat Menschen begleitet, die sich am Ende ihres Lebens befanden, oft Menschen ohne Familie, ohne Begleitung, ohne Halt. Er war für sie da, hat ihnen Zeit geschenkt und ihnen Aufmerksamkeit gegeben. Viele von ihnen haben ihm dafür etwas sehr Persönliches anvertraut: Sie haben ihm erlaubt, sie auch in ihrem letzten Moment zu beobachten.

Sein Wunsch war es, diesen Übergang zu verstehen. Zu erkennen, was sich in diesem Augenblick im Menschen verändert.

Im Laufe dieser Begleitungen hat er immer wieder etwas wahrgenommen, das ihn tief berührt hat. Im Bereich des Herzens, ganz fein und verborgen, hinter den bekannten Strukturen und in der Nähe der sogenannten His-Bündel, zeigte sich ein kleiner Bereich mit einer ganz besonderen Intensität.

In alten Überlieferungen wird beschrieben, dass genau dort ein Punkt liegt, der eine außergewöhnliche Energie trägt. Es wird erzählt, dass sich an dieser Stelle eine Art Tor öffnet, das den Menschen mit seiner Essenz verbindet.

In diesem Zusammenhang taucht auch ein Bild auf, das mich seitdem begleitet. Der Dodekaeder. Eine Form mit zwölf gleichmäßigen Flächen, ruhig, geschlossen und vollkommen in sich. In diesen Beschreibungen wird dieser Bereich im Herzen mit dieser Form in Verbindung gebracht, als würde sich dort ein Raum zeigen, der weit über das hinausgeht, was wir gewöhnlich wahrnehmen.

Während ich diese Geschichte erzählt habe, wurde es zwischen uns noch ruhiger. Die Frau hat einfach zugehört, ganz bei sich.

Für mich ist diese Geschichte kein Beweis und keine Erklärung. Sie ist ein Bild, das uns daran erinnert, dass es im Menschen Bereiche gibt, die eine tiefere Verbindung in sich tragen.

Ich verbinde das mit dem, was ich als fünfte Herzkammer wahrnehme. Ein innerer Raum, der jederzeit da ist und der sich zeigt, sobald wir beginnen, uns selbst wieder bewusster zu spüren.

Vielleicht kennst du solche Momente. Augenblicke, in denen sich in dir etwas ordnet und eine Klarheit entsteht, die sich ganz ruhig ausbreitet.

Genau dort beginnt oft etwas sehr Echtes.

Am Ende unseres Gesprächs hat die Frau einen Satz gesagt, ganz leise, fast wie ein inneres Erinnern:

„Ich glaube, ich habe das schon einmal gespürt.“

Dieser Satz ist geblieben.

Denn genau dort beginnt etwas, das sich schwer greifen lässt und dennoch eine große Kraft in sich trägt. Es ist dieser Moment, in dem sich etwas in uns verbindet. Etwas, das immer da ist und plötzlich wieder fühlbar wird.

Der Dodekaeder steht für mich genau dafür. Für eine Form, die Ganzheit in sich trägt und gleichzeitig einen Zugang öffnet. In vielen Darstellungen findet sich darin auch das Bild des ewig jungen Menschen wieder, so wie ihn Leonardo da Vinci in seiner Zeichnung festgehalten hat. Ein Mensch, der sich ausdehnt, der verbunden ist, der gleichzeitig im Irdischen steht und darüber hinausreicht.

Für mich ist das kein Zufall.

Es ist ein Hinweis darauf, dass sich unsere innere Essenz und unser Leben hier jederzeit begegnen können. Dass es einen Raum gibt, in dem sich beides verbindet und genau daraus etwas entsteht, das wir als Tiefe, als Klarheit und oft auch als ein sehr stilles Glück wahrnehmen.

Vielleicht geht es gar nicht darum, diesen Raum zu suchen.
Vielleicht genügt es, bereit zu sein, ihn wieder zuzulassen.

Denn genau in dieser Bereitschaft liegt oft das, was wir so lange im Außen gesucht haben.


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