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Viele meiner Gespräche handeln davon, was der Mensch nicht alles zu tun hat, was er tun muss oder wo er vielleicht über seinen sogenannten Schatten springen sollte. Oft bleibt eine Situation jedoch genauso bestehen, wie sie ist. Nicht, weil sie gut ist, sondern weil es immer wieder Gründe gibt, sie schönzureden, weil die Veränderung zu viel Kraft kosten würde oder aber auch einfach nur, um unser Ego zu befriedigen.

Unser Ego ist meines Erachtens etwas in unserem Kopf, das früher für unseren Überlebensinstinkt zuständig war. Und mit früher meine ich sehr weit in der Menschheitsgeschichte zurück. Damals, als es noch Säbelzahntiger und andere Urzeittiere gab.

Wenn hinter einem Menschen plötzlich ein Säbelzahntiger zum Vorschein kam, durfte dieser Mensch nicht lange überlegen. Das Ego in seinem Kopf gab ohne lange nachzufragen nur einen einzigen Impuls:

„Lauf!“

Niemand hätte damals darüber nachgedacht, den Säbelzahntiger kurz zu fragen, ob er Zeit für einen kleinen Plausch oder eine Tasse Kaffee hätte. In der Zeit des Fragens hätte uns dieses Tier längst gefressen.

Heute gibt es keinen Säbelzahntiger mehr, der hinter uns steht. Keinen Dinosaurier, keinen Tyrannosaurus Rex, der einfach sein Maul aufreißt und uns als Vorspeise vertilgt.

Und was macht jetzt unser Ego?

Unser Ego ist arbeitslos.

Ein arbeitsloses Ego bekommt Angst. Es sucht ständig nach neuen Aufgaben. Es sagt:

„Achtung! Pass auf! Hier könnte dir etwas passieren.“

Vielleicht macht irgendjemand etwas falsch.

Vielleicht ist jemand beleidigt.

Vielleicht funktioniert etwas nicht.

Doch das sind nur die ängstlichen Gedanken unseres Egos.

Dabei ist tatsächlich keine Gefahr da.

Wenn ich mich zu Hause ausruhen möchte und ein paar Augenblicke für mich selbst haben möchte, dann darf ich meiner Familie ruhig sagen, dass ich jetzt eine kleine Auszeit nehme.

Es wird nichts passieren, wenn ich mir diese Auszeit nehme.

Unser Ego versucht in solchen Situationen jedoch, auf sich aufmerksam zu machen. Es bringt uns dazu, viele Gedanken zu haben.

„Wenn ich meiner Familie jetzt sage, dass ich Ruhe haben möchte, dann sind sie vielleicht beleidigt.“

„Vielleicht beschweren sie sich.“

„Vielleicht störe ich sie gerade in einer schönen Situation.“

Das sind alles nur Vielleicht-Sätze.

Dabei ist tatsächlich keine Gefahr da.

Was kann man also tun?

Wir dürfen unserem Ego eine Aufgabe geben.

Ich sage ganz bewusst:

„Liebes Ego, ich bin froh, dass du auf mich aufpasst. Ich gehe jetzt wandern. Pass bitte auf mein Umfeld auf, dass mir nichts passiert und ich gut wieder heimkomme.“

Vielleicht sage ich das ja nicht so theatralisch, doch wenn ich das in meinem Kopf so ähnlich denke, dann hat mein Ego etwas zu tun.

Diese Aufmerksamkeit übernimmt mein Gehirn ganz von selbst.

Ich darf in der Zwischenzeit meinen Spaziergang im Wald genießen.

Dieses Übervorsichtigsein verschwindet nicht. Es tritt nur in den Hintergrund. Es wird leiser.

Wenn mein Ego gut beschäftigt ist und über mich wachen darf, dann darf ich mein Buch lesen, meine Tasse Tee trinken und mir Zeit für mich nehmen.

Nicht erst, wenn meine Familie damit einverstanden ist.

Sondern jetzt.

Je selbstverständlicher wir das machen, je selbstverständlicher wir unserem Ego sagen, dass wir froh sind, es zu haben, und dass es bitte auf uns achten soll, wenn wir durch den Wald gehen oder eine Straße überqueren, desto mehr wird das zu einer gesunden Routine.

Und dann wird es auch für unser Umfeld selbstverständlich, dass jeder seinen eigenen Bereich haben darf.

Dann müssen wir nicht ständig Rücksicht nehmen, nur weil unser Ego uns einreden möchte, dass wir jetzt noch warten sollten, bis alle anderen fertig sind.

Genau deshalb dürfen wir lernen, unser Ego liebevoll zu beschäftigen.

Denn eigentlich meint es nur gut mit uns.

Eure

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