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NEWSLETTER 3/2024:
Kulturgut (kleinere) Buchhandlungen in Deutschland

Welchen Anteil hat der Internetbuchhandel (Amazon etc.) wohl am gesamten Buchumsatz in Deutschland, gefühlt mehr als 50%? Nein, es waren 2023 nur 24,8%. Klar steigend zum Umsatzanteil in 2019 mit 19,2%. Aber es werden noch immer 41,8% des gesamten Buchumsatzes über den physischen Sortimentsbuchhandel gemacht!

Der Gesamtumsatz mit Büchern in Deutschland betrug 9,7 Mrd. EUR im Jahr 2023. Sehr schön kann man an den Umsätzen auch den Corona-Schub ablesen: Der Buchumsatz, der jahrelang eher geschrumpft war, stieg im Jahr 2022 um ca. 6% zu den Vorjahren.

Das eBook hat zwar mittlerweile einen Anteil am Gesamtumsatz von 6,1%. Aber der ist schon seit 6 Jahren in diesen Regionen. Das Hörbuch wird zwar auch immer beliebter, am Gesamtumsatz beträgt der Anteil aber auch nur 3,2% in 2022 - das klassische Buch hat also noch lange nicht ausgedient.

Noch eine paar schöne Ergebnisse aus der Veröffentlichung des Börsenvereins des Deutschen 

Buchhandels vom 04.07.2024. Die Anzahl der 10- bis 15-jährigen Buchkäufer hat von 2020 auf 2023 um +20% auf 2 Mio. Leser/-innen zugenommen. Der Hauptgrund dafür, dass junge Menschen zum selbständigen Lesen kommen, ist immer noch das Ritual des Vorlesens durch Eltern/Großeltern. Leider nimmt dieser Grund zunehmend ab. Dafür nimmt die Bedeutung des Lesens in der Schule zu und bei Älteren tritt die Anregung durch Freunde/ Geschwister in den Vordergrund.

Der Bucheinzelhandel in Deutschland erzielte im Jahr 2022 einen Nettoumsatz von rund 3,7 Mrd. EUR. Im europäischen Vergleich wird nirgendwo mehr im Sortimentsbuchhandel umgesetzt als in Deutschland.

  Quelle: Statista/Eurostat
Wie zu erwarten wird der Bucheinzelhandel mittlerweile stark von den großen Filialisten wie Thalia und Hugendubel dominiert. Neben diesen deutschlandweiten Marktführern gibt es noch einige regionale Filialisten wie z.B. Osiander in Süddeutschland oder Heymann im Norden. Dass es zu einer so großen Konzentration kommen konnte liegt auch an der Buchpreisbindung in Deutschland. Im Buchpreisbindungsgesetz heißt es im Paragraf 1 zu dessen Zielsetzung:

„Das Gesetz dient dem Schutz des Kulturgutes Buch. Die Festsetzung verbindlicher Preise beim Verkauf an Letztabnehmer sichert den Erhalt eines breiten Buchangebots. Das Gesetz gewährleistet zugleich, dass dieses Angebot für eine breite Öffentlichkeit zugänglich ist, indem es die Existenz einer großen Zahl von Verkaufsstellen fördert.“

Die Ausschaltung des preislichen Wettbewerbs zwischen Buchhändlern führt dann allerdings auch dazu, dass Fusionen jeglicher Größenordnung kartellrechtlich nicht zu beanstanden sind. Der (einzige) Wettbewerb findet damit über die Angebotsauswahl/-vielfalt und v.a. die Beratung statt.

Damit komme ich zum eigentlichen Punkt: In Deutschland gibt es (im Jahr 2022) in Summe immer noch 2.903 Unternehmen im Bucheinzelhandel, neben den großen Ketten also viele eigenständige Buchhandlungen vor Ort. Deren Anzahl sinkt zwar kontinuierlich von über 5.000 zu Beginn des Jahrhunderts. Aber deren kulturelle Bedeutung ist weiterhin nicht zu unterschätzen.

In UK zum Beispiel wurde die Buchpreisbindung Ende der 90er Jahre abgeschafft. Die Anzahl der unabhängigen Buchhandlungen hatte sich daraufhin bis 2019 mehr als halbiert und die Buchpreise haben sich fast verdoppelt. Daneben werden in Großbritannien rund 50% der Buchumsätze vom Internethandel getätigt (Katapult, 17.03.2021). Auch in den USA hat Amazon allein einen Marktanteil bei physischen Büchern von 50% oder mehr. Bei eBooks dominiert Amazon sogar zu 3/4 den Markt (Benedict Evans, 19.12.2019).

Da sieht es in Deutschland mit einem geschätzten Marktanteil von Amazon von 15-16% noch deutlich besser für die kleineren Buchhandlungen aus (tredition, 20.07.2022). Selbst in den USA und UK gab es in den letzten Jahren eine deutliche Gegenbewegung: es werden wieder mehr selbständige Bücherläden eröffnet (Börsenblatt, 03.01.2023! Das zeigt die große kulturelle Bedeutung von Buchhandlungen für den sozialen Austausch und die Beratung vor Ort.

Aber auch wirtschaftlich kann der individuelle Buchladen punkten: mit einem interessanten Sortiment, kundigem Personal, Präsentationen & Veranstaltungen und einem Ort an dem man einfach gerne stöbert und vielleicht einen Kaffee trinkt. Laut einer Umfrage der Universität Innsbruck werden in Orten mit stationären Buchhandlungen durchschnittlich 2,84 Bücher pro Person und Jahr mehr gekauft als in Orten ohne diese Anlaufstellen (Katapult, 17.03.2021). Also unterstützt den (kleinen) Buchladen vor Ort!

In aller Kürze:
  • In Deutschland gibt es (im Jahr 2022) noch 2.903 selbständige Unternehmen im Bucheinzelhandel, trotz der Dominanz der großen Filialisten.
  • Der stationäre Sortimentsbuchhandel macht immer noch 42% des gesamten Buchumsatzes, über das Internet laufen in Deutschland (nur) ca. 25%. Das ist z.B. in den USA oder UK mit deutlich mehr als 50% Online-Bestellungen deutlich anders.
  • Das physische Buch ist nicht tot: Das eBook hat in Deutschland gerade mal einen Umsatzanteil von 6% und das Hörbuch um die 3%.
  • Der Buchladen vor Ort ist ein wichtiger sozialer und kultureller Ankerpunkt und hat in den letzten Jahren eher noch an Bedeutung gewonnen.    
Hinweise: 

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