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NEWSLETTER 2/2024:
Kostenfreies Studium in Deutschland: Was wir davon haben

An vielen angelsächsischen (Elite-)Universitäten werden horrende Studiengebühren fällig. Hierzulande ist das (Erst-)Studium an staatlichen Hochschulen kostenlos. Warum das trotz einiger Negativaspekte unter dem Strich dennoch positiv für Deutschland ist. 

Nach einigen Antritten zur Einführung von Studien- gebühren in Deutschland ist das (Erst-)Studium seit 2014 wieder an allen staatlichen Hochschulen kostenlos (einzige Ausnahme: Baden-Württemberg verlangt für nichteuropäische Studierende einen Betrag von 3 T€ / Jahr). Das ist in Europa eher die Ausnahme. Von den größeren (Nachbar-)Ländern erheben nur Frankreich, Österreich, Polen und die skandinavischen Länder keine separaten Studien-gebühren an staatlichen Universitäten. In den meisten anderen EU-Ländern werden Gebühren in Höhe von ca. 1 T€ bis 5 T€ / Jahr erhoben. Auch in der Schweiz zahlen ausländische Studierende zwischen 2T und 10 T€.
An privaten Hochschulen und vor allem im angel-sächsischen Bereich sieht es ganz anders aus. In Großbritannien kostet ein Studienjahr auch an den staatlichen Universitäten zwischen 8T und 36 T£. Und in den USA wird es richtig teuer: Selbst an staatlich finanzierten Hochschulen zahlen die Studierenden zwischen 20T und 30 TUSD im Jahr. An den renom-mierten Privatuniversitäten gehen die Studienge-bühren mittlerweile hoch bis auf 100 TUSD jährlich (inkl. Wohnen, Essen). Die Verschuldung der weniger Vermögenden erreicht in den USA mittlerweile die astronomische Summe von 1,6 Billionen USD an Studentenkrediten (Zeit Online, 21. Mai 2024). Das ist eine massive Hypothek für das Berufsleben und hoher sozialer Sprengstoff in den Vereinigten Staaten.

Damit bleibt erst einmal festzuhalten, dass das Privileg eines gebührenarmen Studiums in Deutschland nicht gering zu schätzen ist – nicht nur aus dem Aspekt der Bildungsgerechtigkeit. Der Qualität der Hochschulen scheint das nicht allzu sehr zu schaden: Deutschland liegt i.d.R. auf Platz 3 oder 4 der internationalen Länder-Hochschulrankings nach den USA und UK. Das zeigt sich auch daran, dass aktuell ca. 16% der Studierenden an deutschen Universitäten aus dem Ausland kommen. Das waren vor 10 Jahren nur um die 11%. Bei den Erstsemestern im WS 2022/23 betrug der Ausländeranteil bereits 30% - rein statistisch aber auch weil die Zahl der Studierenden mit deutschem Pass seit Jahren aufgrund des demografischen Wandels rückläufig ist. In absoluten Zahlen ist Deutschland damit zum drittbeliebtesten Land weltweit für ein Auslandsstudium geworden.

Als Ursache hierfür nicht ganz von der Hand zu weisen sind dabei sicher auch die geringen Studiengebühren in Deutschland. Wir finanzieren damit zum Teil die Ausbildung Hochqualifizierter mit, wenn diese nach dem Studium wieder in ihr Heimat-land zurückkehren. Die Diskussion über (moderate) Studiengebühren z.B. für nichteuropäische Studieren-de wäre hier ohne weiteres angebracht.

  Quelle: statista/N26 Studien-Preisindex für 2022
Ein anderer Aspekt erscheint mir kritischer: Die privaten angelsächsischen Universitäten konnten nicht zuletzt mit ihren (hohen) Studiengebühren z.T. ein erhebliches Vermögen aufbauen, so die Elite-Hochschulen in den USA bis zu 40 Mrd. USD. Auch sind die Bedingungen in den USA sowohl im Verhältnis Forschung zu Lehre als auch bezüglich staatlicher Forschungseinschränkungen i.d.R. besser als in Deutschland. Viele Spitzenwissenschaftler aus Deutschland zieht es damit wegen des Forschungs-umfelds und nicht zuletzt wegen des Geldes ins Ausland. Diesem Brain Drain können die staatlich finanzierten deutschen Hochschulen häufig nicht wirksam entgegentreten. Man muss nur die über-schaubare Anzahl der Nobelpreisträger in den letzten Jahr(-zehnt)en betrachten, die noch ihren Forschungs-schwerpunkt an deutschen Universitäten hatten.

Also zu viele negative Aspekte des kostenfreien Studiums in Deutschland? Ich denke nicht. Wir impor-tieren aus vielerlei Gründen so viele leistungswillige und talentierte Arbeitskräfte aus dem Ausland, dass wir diesem Brain Drain aus häufig weniger ent-wickelten Staaten gerne etwas in Form von ausge-bildeten Akademikern zurückgeben können, wenn sie in ihr Land zurückkehren. Zumal das in der Tat gar nicht so viele sind: Laut einer Auswertung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes starten 60% der internationalen Studienabgänger ihre Karriere

in Deutschland (DAAD-Pressenotiz vom 10.10.2022). Nach zehn Jahren lebten 45% der ausländischen Studierenden die einen Hochschulabschluss in Deutschland gemacht hatten noch hier, ein interna-tionaler Spitzenwert. Viele von ihnen verfügen nach dieser Zeit auch über gute Deutschkenntnisse und integrieren sich nach ihrem Studium in Deutschland nicht nur erfolgreich in den hiesigen Arbeitsmarkt, sondern entscheiden sich daneben auch für eine Einbürgerung.

Das diese keinen Deutschen den Arbeitsplatz wegnehmen zeigt eine andere Zahl. Gemäß einer Statistik von Eurostat beläuft sich die Erwerbstätigen-quote von Absolventen nach kürzlich bestandener Abschlussprüfung auf 83,5% im Jahr 2023 über alle EU-Länder hinweg (zehn Jahre zuvor waren es nur 74,3%). In Deutschland beläuft sich diese Beschäftig-tenquote sogar auf den europäischen Spitzenwert von 91,5%, nur Holland liegt noch etwas darüber. Speziell für die Absolventen mit tertiärem Bildungsabschluss (Hochschulen, Fachakademien etc.) belief sich die Arbeitslosenquote EU-weit im Jahr 2023 auf nur 3,8% - in Deutschland gerade mal auf 2,2%. Vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel und demogra-fischem Wandel stellen Studierende aus dem Ausland somit eine wichtige Ressource für den deutschen Arbeitsmarkt dar.

Fazit:
  • Das gebührenfrei (Erst-)Studium an staatlichen Hochschulen in Deutschland ist in Europa eher die Ausnahme. Die größten Unterschiede gibt es aber in Bezug auf die Höhe der Studiengebühren, die in angelsächsischen Ländern ohne weiteres 30 - 50 T€ jährlich betragen können.

  • Der Ausländeranteil an deutschen Hochschulen beträgt ca. 16% mit steigender Tendenz in den letzten Jahren. Das liegt sicher auch an den kostengünstigen Studienmöglichkeiten, aber auch an der Qualität der deutschen Universitäten, die sich im weltweiten Hochschulranking auf Länderebene zwischen Platz 3 bis 4 bewegen.
  • Damit hinken die deutschen Universitäten aufgrund der weitgehend auf dem Staat beruhenden Finanzierung und den nicht ganz optimalen Forschungsbedingungen allerdings den Möglichkeiten der sehr vermögenden angelsächsischen (Elite-)Universitäten häufig hinterher.

  • Dennoch überwiegen nach m.E. die positiven Aspekte der Gebührenfreiheit an deutschen Universitäten, nicht nur wegen der Bildungsgerechtigkeit. Nach DAAD-Zahlen leben 45% der Ausländer, die einen Hochschul-abschluss in Deutschland gemacht haben noch hier. Vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel und demografischem Wandel stellen Studierende aus dem Ausland damit eine wichtige Ressource für den deutschen Arbeitsmarkt dar.          
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