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NEWSLETTER 4/2024:
Die Deutschen und ihr Wald

Was ist wohl das europäische Land mit dem größten Gesamtholzvorrat, irgendwas mit Schweden oder so? Nein, es ist … Deutschland! Der Holzvorrat beläuft sich auf 3,7 Mrd. m3 (Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, 2024). Ein Drittel von Deutschland ist mit Wald bedeckt. Auch auf die Waldfläche bezogen nimmt Deutschland beim Holzvorrat von 335 m3/ha einen Spitzenplatz in Europa ein.

Die Deutschen und ihr Wald, das ist schon eine mythische Beziehung wie auch die vielen Wörter für besondere Bäume wie Dorflinde, Maibaum, Kaiserbuche, deutsche Eiche etc. zeigt. Umso mehr ging das Waldsterben in den 1980er Jahren den Deutschen besonders an die Seele – und der Begriff in den internationalen Sprachgebrauch ein. In den letzten Jahren haben Stürme und extreme Trockenheit mit hohen Sommertemperaturen dem Wald dann wieder erheblich zugesetzt. Dazu kamen Waldbrände, häufig verursacht durch Menschenhand. Nur noch 20% der Bäume gelten in ihrem Belaubungszustand als gesund (Waldzustandserhebung 2023).
Nicht nur der kulturelle und ökonomische Wert sowie der Wald als besonderer Lebensraum für Tiere und Pflanzen ist hervorzuheben. Es ist heute v.a. der Naturschutz-Aspekt, der dem Wald eine heraus-ragende Bedeutung gibt, indem er Kohlenstoff bindet. Umso erstaunter war ich, als ich die Schlagzeile über die jüngste Bundeswaldinventur las: Wälder jetzt Quelle von Treibhausgasen! Was damit gemeint ist: Der Wald hat in der Periode 2017 bis 2022 mehr CO2 freigesetzt als aufgenommen. Der Grund hierfür sind die o.a. Kalamitäten der letzten Jahre, die einen Vorrats-Verlust insbesondere der zuwachsstarken Fichte um 18% zur Folge hatten.
  Quelle: Vierte Bundeswaldinventur, 08.10.2024
 
Das ist auf kurze Sicht sicher ein Verlust. Aber die wegbrechenden Fichtenbestände, die in den 50er Jahren an ungeeigneten Standorten gepflanzt wurden, sind ja auch eine Chance es jetzt besser zu machen. So hat der Bestand an Buchen und Eichen zwischen 2012 und 2022 bereits um 7 bzw. um 14% zuge-nommen, so dass der Anteil der Fichten heute nur noch 21% aller Baumarten ausmacht (4. Bundeswald-inventur, 08.10.2024). Der Weg zu klimaresilienteren Mischwäldern ist aber noch weit: Von Natur aus wäre der deutsche Wald zu 2/3 von der Buche geprägt.

Und wie sieht es mit der vermeintlichen Klima-neutralität der Holzheizung aufgrund der nach-wachsenden Biomasse aus? Neben der Freisetzung des gebundenen CO2 sind auch die Feinstaub-emissionen und andere klimaschädliche Emissionen 
 
wie Methan zu berücksichtigen. Pro produzierter Wärmeeinheit sind die CO2 -Emissionen bei der Holzverbrennung sogar höher als bei fossilen Energieträgern wie Kohle und Gas. Dennoch ist die Holzheizung beliebt und auch (noch) staatlich gefördert. Private Haushalte sind schon jetzt die größten Verbraucher von Waldholz für die Gewinnung von Energie (Nabu). Wie so vieles erscheint die Holzheizung aus individueller Sicht als sinnvolle Lösung, ist es aber im größeren Maßstab nicht. Verbrannt werden sollte nur einheimisches Restholz oder Holzprodukte nach langlebiger Nutzungsdauer.

Also Bewahrung der Wälder und möglichst Holz-zuwachs durch bewusste Aufforstung, in Zeiten des Klimawandels durch vermeintlich robustere, weniger wasserbedürftige Baumsorten? So richtig verstehen
 
wir das gesamte Ökosystem noch lange nicht um zu wissen, was wirklich gut oder was nur sinnloser oder sogar schädlicher Aktionismus ist. Viele aktuell beliebte Baumpflanzaktionen mit Artern die bei uns nie heimisch waren sind da nicht immer der richtige Weg. Oder das beliebte Auflockern im Wald, alles wildwachsende Zeug zu entfernen, um im Wald Ordnung zu schaffen um die Verjüngung des Waldes aktiv zu unterstützen?

Was aber positiv stimmen kann: Die Wälder in Europa waren um 1800 nahezu komplett abgeholzt. Die Menschen brauchten einfach alles Holz zum Feuer machen, Wärmen und Bauen. Dennoch hat sich der Wald wieder erholt, fast von ganz alleine! Das braucht nur ein wenig Zeit, dann weiß sich die Natur zur Not auch selber zu helfen.

In aller Kürze:
  • Deutschland ist zu einem Drittel von Wald bedeckt und ist in Europa das Land mit dem größten Holzvorrat.
  • Durch die Unwetter und die Trockenheit der letzten Jahre hat der Wald zwar gelitten und der Fichtenbestand um 18% abgenommen. Aber dafür wachsen wieder mehr Buchen und Eichen.
  • Das Verbrennen von Waldholz zum Heizen im großen Maßstab ist kein sinnvoller Beitrag zum Klimaschutz. Die Bindung von CO2 durch nachwachsende Bäume findet unabhängig von der Holzverwendung statt. Umweltverträglicher ist die Nutzung in langlebigen Holzprodukten.
  • Aktionismus durch Aufforstung mit vermeintlich robusteren Baumsorten, die aber nie bei uns heimisch waren, ist nicht immer sinnvoll. Mit ausreichend Geduld weiß die Natur von alleine, was an welchem Standort am besten gedeiht.        
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